
Die echte Virusgippe (Influenza) tritt fast in jedem Jahr als mehrere Wochen andauernde starke Häufung von Grippe-Erkrankungen, so genannten Influenza-Wellen, auf. Dabei wird ein großer Teil der Bevölkerung, schätzungsweise 10 bis 20 Prozent, infiziert. Die Infektionen können ohne Symptome verlaufen oder zu einer Erkrankung führen. Nur ein Bruchteil der auftretenden Influenzafälle wird durch einen Virusdirektnachweis bestätigt und bei Nachweis des Influenza-Erregers über die in Deutschland bestehende Meldepflicht nach
Infektionsschutzgesetz dem öffentlichen Gesundheitsdienst gemeldet.
In regelmäßigen Abständen kommt es auch in Deutschland zu kleineren oder größeren Influenza-Ausbrüchen, meist in der Zeit von Januar bis März.
Die letzte große Pandemie im Jahre 1995/96 forderte schätzungsweise 30.000 Menschenleben in Deutschland; im Winter 2004/2005 starben 15.000 - 20.000 Menschen an einer Influenza.
Die durchschnittliche Sterberate durch eine normal aktive Influenza liegt in Deutschland jährlich zwischen 8.000 und 10.000 Menschen, wobei die Todesfälle fast ausschließlich die höheren Altersgruppen treffen.
Die
Ständige Impfkommission (STIKO) beim Robert-Koch-Institut empfiehlt chronisch Kranken, Personen ab 60 Jahren und Personen, die in Einrichtungen mit Publikumsverkehr sowie in der Krankenversorgung arbeiten, eine Grippeschutzimpfung. Auch die Familienangehörigen chronisch Kranker sollten unbedingt gegen Influenza geimpft sein, damit sie nicht selbst erkranken, vor allem aber den Erreger nicht weitergeben können ("Herdenimmunität").
Die Influenza-Durchimpfungsrate im Jahr 2003/2004 lag in Deutschland bei 25,1 Prozent, wobei die Impfrate in der Altersgruppe über 60 Jahre mit über 40 Prozent deutlich höher ist als in den jüngeren Altersgruppen. Um eine Influenza-Pandemie zu vermeiden, hat die WHO ihre Mitgliedsländer allerdings bereits im Jahr 2003 aufgefordert, in der Gruppe der Risikopersonen für eine Durchimpfungsrate von 50 Prozent bis zum Jahr 2006 und von 75 Prozent bis zum Jahr 2010 zu sorgen.
Deutschland legte im Januar 2005 den unter Leitung des Robert-Koch-Instituts verfassten ersten
Nationalen Influenza-Pandemieplan vor. Der Plan dient als Grundlage für eine bundesweit koordinierte Vorbereitung auf eine Influenzapandemie mit Richtlinien und Konzepten für das Management im Pandemiefall. Eine Aktualisierung des Pandemieplanes soll noch 2007 veröffentlicht werden. Nach Modellrechnungen des Robert-Koch-Instituts könnte eine Pandemie in Deutschland je nach Erkrankungsrate (15% bis 50%) ohne Therapie und ohne Prophylaxe innerhalb von 8 Wochen zu 48.000 bis 160.000 Todesfällen führen.
Arbeitsgemeinschaft Influenza (Robert-Koch-Institut)